Ökologisch abbaubar?
Juli 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenGerade eben in die “Flower-Power-Hour” reingehört. Orchestrales Honky Tonk Woman und psychedelische Summer-of-Love-Mucke scheinen hier zu alternieren. Ungefähr fünf Songs, die alle gleich hippiestylig anmuteten, habe ich durchgehalten und dann die gesamte Bürobrigade nach Einschätzung der Hörerschaft dieses Radiosenders befragt. Die geballt in meine Richtung geschossenen Antworten können hier nur in konzentrierter und zum Teil redigierter Form wiedergegeben werden. Demnach handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Yoga lehrende, VW-Bus-fahrende Lagerfeuerromantiker und nervende Parktrommler, die sich insgesamt auch durch unrasierte Achselhöhlen militanten Vegetarismus und exorbitante Froschwanderungsfürsorglichkeit charakterisieren lassen.

Um hier gar nicht erst einen Spannungsbogen entstehen zu lassen: Es handelt sich bei dieser auditiven Eruption um Radio Grüne Welle, das Internetradio der Grünen aus der Hauptstadt. Ja gut, vielleicht ist es nur die Sendung, die sich auf nerviges Flower-Power-Gedudel konzentriert, vielleicht sind die Wortbeiträge großartig, vielleicht das Programm in der Gesamtheit abgewogen und intelligent. Sicher ist hingegen: Der erste Eindruck zählt. Und der manifestiert sich in einer einzigen Frage, liebe Wahlkampfstrategen: Kann mit einem solchen Musikangebot - Stichpunkt Zielgruppenorientierung - eine Hörerschaft erreicht werden, die eine Partei wählen sollen, die Forschungsstudien zufolge meist als jüngste, urbanste und am besten gebildetste eingestuft wird?
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Ist schon eine gute Idee von den Grünen… Aber Radio gibt es im Netz wie Sand am Meer, da verlangt es doch ein bisschen mehr als einen Öko-Dudelfunk (mit verstaubter Musik), vor allem wenn man ja eigentlich gar keine Öko-Partei sein will oder?